Pfadjägerinnen

Traildog – Auf den Hund gekommen

By 2. Oktober 2018 Ride Heart

Auf vielen meiner Bilder lässt sich unschwer mein kleiner vierbeiniger Schatten erkenen, der mich meist beim Biken begleitet. Ich versuche nun, ein bisschen aufzudröseln, was es bedeutet, einen Traildog an der Seite zu haben und wo der ein oder andere Knackpunkt liegt.

Wie alles begann

Herr Wolf war nicht von Anfang an mein Mountainbike Buddy. Das liegt ganz einfach daran, dass ich noch gar nicht so lange abwärts orientiert radel, wie ich ihn habe.
2012 kam also ein kleines, abgemagertes, fellloses Etwas aus einer Tötungsstation in mein Leben gestolpert. Ein größtenteils weißer! Rüde!! mit langen!!! Beinen. Aus meiner Erfahrung mit Hunden wusste ich was das bedeutet. Er brachte wirklich alle Merkmale mit, die ich eigentlich NICHT wollte. Aber: Man bekommt nicht den Hund, den man will, sondern den, den man braucht. So machte ich mich an den Versuch, dieses Tier auszulasten. Nur, eine Stunde neben dem Beachcruiser an der Wertach entlang, schien ihn gerade einmal aufzuwärmen und auch das Training für die grauen Zellen ermüdete ihn kaum.

Ein neues Hobby musste her…

…eines das Körper und Geist auslasten würde. Die ersten Versuche im Wald bestätigten schnell, dass wir darin gemeinsam aufgehen könnten. Ohne richtigen Plan wie ich den Berg runter kommen und der Hund sich auf dem Trail verhalten sollte, stürzten wir uns gemeinsam ins Abenteuer. Zusammen galt es: Kondition aufbauen und sich organisieren. Und siehe da, mittlerweile läuft der Zwerg Touren in den Bergen von 40 km mit, fährt in Gondeln und Sesselliften, sprintet Abhänge hinunter und nimmt Sprünge oft besser als ich. In den Pausen legt er sich dann dazu und man sieht das Glück in seinen Augen funkeln. Diese gemeinsamen Erlebnisse sind einfach unbeschreiblich. Zumal er mich gerade am Anfang sicher sehr viel öfter dazu motiviert hat, meinen Pobbes auf’s Radl zu schwingen, als ich es sonst vielleicht getan hätte.

Denkkappe vorher aufsetzen!

Dabei gibt es einige Dinge über die man sich vorher im Klaren sein muss, sobald man mit dem Gedanken spielt, sich einen vierbeinigen Bike Buddy zu holen. Gerade wenn man bereits radelt und nicht wie wir das Hobby gemeinsam entdeckt.

  • Alter und Rasse bedenken

Der Hund muss definitiv völlig ausgewachsen sein, um die starke körperliche Beanspruchung auf dem Trail wegstecken zu können. Das bedeutet, dass er mindestens 12, wenn nicht eher 18 Monate alt sein sollte. Natürlich kann man schon früher spielerisch und maßvoll beginnen. Das heißt jedoch: Was machen, wenn einem selbst die Auslastung dann nicht genügt?
Logischerweise eignet sich nicht jede Rasse für diesen Sport. Einem Windhund kann es bisweilen an Langstreckenkondition fehlen, einem Labrador an Sprintenergie, ein Jack Russel Terrier hat vielleicht einen zu großen Jagdinstinkt (und ist ständig weg), usw. Daher gilt es, sich vorher über die verschiedenen Rassen ausgiebig zu informieren. By the way, ich habe keine Ahnung was Herr Wolf für ein Kandidat ist, ich tippe jedoch auf irgendeine Art von Pointer Mix. Er hat tatsächlich die perfekte Mischung aus Kraft und Ausdauer, die im Gelände gefragt ist.

  • Verletzungen mit einplanen

Außerdem hat er mit 47 cm Schulterhöhe und 11 kg noch ein Maß, mit dem man ihn notfalls mal Schultern kann. Denn, der Vierbeiner ist ebenfalls nicht vor Verletzungen im Gebirge gefeit, seien es nur abgelaufene Ballen durch die hochalpinen Gesteinsformationen. Plan B muss entsprechend vorher überlegt werden. Bei mir ist es ein langes Tuch im Rucksack, mit dem ich mir unseren Hund ggf. auf den Rücken binden würde.

  • Sein Platz muss klar sein

Läuft der Hund vor mir auf dem Weg? Dann muss mir bewusst sein, dass er vielleicht irgendwo dreht und mir wieder entgegen kommt. Läuft er neben mir? Dann könnte er evtl. zwischen die Räder kommen. Läuft er hinter mir? Dann sehe ich nicht wo er ist und was er macht. Und was tue ich, wenn er ohne Erlaubnis die Position wechselt? Während der Abfahrt einfach stehen bleiben ist vielleicht nicht mal eben machbar.
Ich glaube, dass das eine Frage des persönlichen Geschmacks ist. Dennoch: Es ist gar nicht so leicht, stets konsequent einzufordern, was ich von meiner Fellnase will, wenn wir beide im Tunnelblick sind. Gerade im eigenen Lernprozess ist das wichtig zu beachten.

  • Auftrainieren braucht Zeit

Zeit nehmen und sich nicht verkopfen. Damit ist vermutlich schon alles gesagt. Man kann nicht gleich 20 km Highspeed Touren erwarten, aber man kann sich herantasten. Umgekehrt hat sich für mich gezeigt, dass je unkomplizierter ich an die Sache heran gegangen bin, desto besser lief es mit ihm. Sprich, ich wollte mit ihm Rad fahren, also habe ich mich drauf gesetzt und er musste einfach mitlaufen. Je selbstverständlicher das eigene Handeln ist, desto einfacher folgt der Hund.

  • Hund will mit

Das meine ich auch genau so: Herr Wolf will immer mit. IMMER! Sobald er hört, wie ich meine Bikeklamotten anziehe, lässt er mich nicht mehr aus den Augen. In vielen Destinationen kann er ohne Probleme mitlaufen, wie den Bergen oder Wäldern. Wobei ein unangeleinter Hund nicht überall so ganz legal oder gern gesehen ist! Und was ist, wenn man in einen Bikepark möchte? Hat man dann jedes Mal einen Sitter? Mir graust es jetzt schon vor der Zeit, wenn sein Körper zu alt ist, um uns zu begleiten, sein Kopf das allerdings nicht wahrhaben will.

  •  Logistikfragen

Der Hund braucht Wasser und das nicht zu knapp. Dazu noch etwas Futter, je nach Länge der Tour, und das will transportiert werden. Das ist sicherlich nur ein kleiner Aspekt, dennoch sollte man das im Hinterkopf behalten. Kann ich außerdem einen Hund und Räder plus Equipment transportieren, wenn ich längere Ausflüge mache? Er und seine Sachen brauchen schließlich gleichermaßen Platz.

Jetzt kann man sich bei all diesen Hürden die Frage stellen, warum tut man sich das an? Ehrlich gesagt frage ich mich das ja selber bisweilen… Herr Wolf ist aber ein derartiger Knallfrosch, der allen das Herz aufgehen lässt und jeden amüsiert, der ihm begegnet. Er beurteilt weder meinen Fahrstil, noch meine Linienwahl. Ihn stört es nicht, wenn ich einen schlechten Tag habe, denn seine sind grundsätzlich gut, wenn wir zum Biken gehen. Diese Freude ist wahrhaft ansteckend.

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